Zahngesunde Ernährung bei Kindern

 

Immer mehr Kinder haben heute ein gesundes Gebiss. Einen wichtigen Beitrag hierzu leistet eine zahngesunde Ernährung. Mono- und Disaccharide können von Plaquebakterien aufgenommen und zu Säuren abgebaut werden. Somit sind sämtliche Nahrungsmittel, die aus niedermolekularen Kohlenhydraten bestehen, potenziell kariogen. Jede Aufnahme niedermolekularer Kohlenhydrate ruft an der plaquebedeckten Zahnoberfläche einen zeitlich begrenzten, etwa halbstündigen pH-Abfall hervor. Die Gesamtzeit, in der der Zahnschmelz entkalkt wird, wächst mit der Häufigkeit der Zukkeraufnahme. Also wird die Kariogenität vergärbarer Kohlenhydrate nicht nur durch ihre absolute Menge, sondern auch durch die Häufigkeit der Zufuhr bestimmt.

 

Abbildung: Zahngesunde Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil der Kariesprophylaxe

 

Die Bedeutung der hochfrequenten Zuckeraufnahme zwischen den Mahlzeiten wurde bereits 1954 in Schweden nachgewiesen. Für den Verbraucher bedeutet das, möglichst wenige Zuckerimpulse in den Tagesablauf einzubauen.

In der täglichen Praxis bewährt hat sich die Substitution von Zucker mit zuckerfreien Süßungsmitteln, die in kalorische und nichtkalorische eingeteilt werden. Kalorische Süßungsmittel, beispielsweise Xylit, Sorbit und Mannit, werden auch als Zuckeraustauschstoffe bezeichnet und haben einen zuckerähnlichen chemischen Aufbau, mit gleichem Volumen und etwa gleicher Süßkraft. Sorbit wird von kariogenen Mikroorganismen nur langsam verstoffwechselt, Xylit überhaupt nicht. In einem randomisierten klinischen Versuch, den „Turku-Zuckerstudien“, wurde gezeigt, dass keine neuen kariösen Läsionen auftreten, wenn über einen längeren Zeitraum alle Nahrungszucker durch Xylit ersetzt werden. Ein unbegrenzter Verzehr dieser Zuckeraustauschstoffe sollte allerdings vermieden werden, weil bei einer Aufnahme ab 20 bis 50 g pro Tag eine laxierende Wirkung eintritt.

Zuckerersatz- oder Süßstoffe sind synthetische oder natürliche in Pflanzen vorkommende chemische Verbindungen. Sie sind 30- bis 2 000-mal süßer als Zucker und, bis auf Aspartam, kalorienfrei. Diese Substanzen können von Bakterien nicht verstoffwechselt werden. Um den Gebrauch von zahnschonenden Süßwaren zu fördern, wurde bereits 1985 die „Aktion Zahnfreundlich e.V.“ gegründet.

Dieser Verein zeichnet Produkte, die weder Karies noch andere säurebedingte Schäden an den Zähnen verursachen, mit dem geschützten Markenzeichen „Zahnmännchen mit Schirm“ aus. Nach Möglichkeit sollten süße Zwischenmahlzeiten aus zahnschonenden Produkten bestehen. Bereits werdende Eltern sollten über die Bedeutung der Ernährung für die Zahngesundheit aufgeklärt werden. Auf diese Weise können Fehlgewohnheiten, die zu einer Zerstörung der Zähne führen können, von vornherein verhindert werden. Diese so genannte Primär- Primär-Prävention beinhaltet auch die Aufklärung der werdenden Eltern über Übertragungsrisiken und -wege kariogener Keime, beispielsweise über Löffel, Schnuller oder andere Gegenstände, die Eltern beziehungsweise andere Kontaktpersonen und das Kind gemeinsam in den Mund nehmen. Eine weitere Gefahr ergibt sich aus dem unüberwachten und ständigen Gebrauch der Saugerflasche. Dabei können sowohl zuckerhaltige als auch erosive Getränke Zahnschäden hervorrufen. Diese so genannte Saugerflaschen- beziehungsweise Nuckelflaschenkaries entsteht zunächst an den Oberkiefer- Frontzähnen und kann später weitere Zähne befallen. In Ausnahmefällen kann auch exzessiv über Jahre verlängertes, insbesondere nächtliches Stillen, diese Form der Karies verursachen. Der lange Zeit verwendete Ausdruck „Nursing-Bottle-Syndrom“ wird in letzter Zeit durch den Begriff „Early Childhood Caries“ (ECC-Typ 1–3) ersetzt. Die ECC-Klassifizierung berücksichtigt neben dem Alter des Kindes die Ursache für den Befall der Zähne und die betroffenen Zahngruppen.

 

Dieser Artikel ist im Wesentliche zitiert aus Deutsches Ärzteblatt⏐Jg. 103⏐Heft 15⏐14. April 2006


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